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Kirchen, Orgeln und Glocken in Münster
Innenstadt - kath. St. Thomas Morus-Kirche | Basisdemokraten mit Sinn für PragmatikIn den ersten Jahren nach dem II. Vatikanischen Konzil war Vieles möglich. Als Münsters jüngste Pfarrkirche 1967 von der Mutterpfarre Hl. Edith-Stein (Erpho) in die Eigenständigkeit entlassen wurde, war schon manches ganz anders als noch 20 Jahr zuvor. Man entschied sich zum Beispiel für einen eher funktionalen als repräsentativen Bau. Ein Kirchturm? Wozu - in einer typischen Reihenhaussiedlung der späten Wirtschaftswunderjahre?
Die spätere "Heiligen-Inflation" von Papst Johannes Paul II., die auch das Bistum Münster reichlich mit neuen Seligen bedachte, war noch nicht absehbar, und so wählte man einen etwas außergewöhnlichen, mit 450 Jahren noch relativ "jungen" Engländer zum Patron - als erste Kirche im ganzen Bistum. Und in einem Akt wahrer Basisdemokratie, über den der namenstiftende Lordkanzler und Romanautor ("Utopia") gewiss seine eigenen Gedanken entwickelt hätte, entschieden sich exakt 83,5 Prozent der Gemeindemitglieder für einen multifunktionalen Bau statt "nur" für eine Kirche.
Das Neubauviertel im Bahndreieck auf halbem Weg zum Stadtteil Coerde wuchs so rasch, dass die kleine, 1981 abgerissene Behelfskirche schon bald zu klein wurde. Der neue backsteinerne Zentralbau mit gestaffelter Flachdecke der Architekten M.V. van Hausen / O. Rave verbindet den praktischen Nutzen für das alltägliche Gemeindeleben mit den liturgischen Anforderungen des Konzils: Der Kernbereich bietet um den Altar herum 100 Plätze. Er kann durch Öffnung zu den umgebenden Mehrzweckräumen auf 400 Plätze erweitert werden. Die Kirche im Zentrum des Gemeindelebens - das hat im Zeitalter der "Großraumseelsorge" über den praktischen Nutzen hinaus auch einen hohen Symbolwert.
Als die neue Kirche nach drei Jahren Bauzeit am 16. März 1974 vom damaligen Weihbischof Dr. Reinhard Lettmann geweiht wurde, besass sie keine Glocken. Das ist bis heute so geblieben, so dass Münsters jüngste Pfarrkirche sich nicht nur optisch, sondern auch akustisch eher unauffällig in eine Umgebung fügt, die selbst wenig "Herausragendes" aufweist.
Auch das Innere ist durch edle Schlichtheit gekennzeichnet. Die Farbgebung des Raums orientiert sich an den Regenbogenfarben der Fenster, die der Glasmaler Joachim Klos aus Nettetal geschaffen hat. Eine Besonderheit stellt das Kreuz dar. Ganz ohne hölzerne Balken hängt der um 1600 entstandene Korpus an Seilen zwischen Himmel und Erde. Der nach unten ziehende Felsstein und die schräg nach oben weisenden Arme verdeutlichen auf sinnfällige Weise die Überwindung des Todes durch die Auferstehung.
Literatur:
- Das Bistum Münster. Band III. Münster 1993, S. 82.
- St. Thomas Morus, Münster. 25 Jahre Pfarrei. Münster 1992
- Karl Hagemann: Münster - Stadt der Kirchen. Münster 1983, S. 96.
- Festschrift zur Weihe der Pfarrkirche St. Thomas Morus. Münster 1974
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