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Kirchen, Orgeln und Glocken in Münster
Innenstadt - ev. Matthäuskirche | Anpassung auf höherem Niveau - die evangelische Matthäuskirche in MünsterEs kann der Frömmste nicht in Frieden beten, wenn es dem lieben Nachbarn nicht gefällt. So könnte man die Auseinandersetzungen umschreiben, die Ende der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts den Bau der evangelischen Matthäuskirche begleiteten. Im traditionell katholischen Münster mussten sich die - meist durch Flucht und Vertreibung zugewanderten - evangelischen Christen ihre Position gelegentlich regelrecht "erobern". Das klingt unter dem Gesichtspunkt heutiger Ökumene fast schon befremdlich, ist aber auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass lange Zeit in Münster "protestantisch" mit "preussisch" gleichgesetzt wurde. Der fromme, seines geistlichen Landesvaters durch Napoleon so plötzlich entwöhnte fürstbischöfliche Untertan hatte das ganze 19. Jahrhundert über eben ein alles andere als ungetrübtes Verhältnis zur preussischen Obrigkeit - Stichwort "Kulturkampf".
Schon Anfang der 50er Jahre war die Trinitatiskirche in der Südstadt viel zu klein für die zahlreichen evangelischen Neubürger geworden. Ein für den Kirchbau der neuen Gemeinde zunächst vorgesehenes Grundstück an der Zumbrockstrasse wurde gegen ein Gelände an der Antoniusstrasse eingetauscht - nicht ohne noch 17 000 Mark draufzulegen.
Die Schwierigkeiten beim Neubau der Kirche waren nicht eben gering: Sechs Meter Niveauunterschied auf dem Gelände der ehemaligen Kiesgrube erforderten von vorneherein eine besondere architektonische Lösung. Der erste Entwurf des Düsseldorfer Architekten Schulz scheiterte an Einsprüchen der Anlieger. Gleiches widerfuhr dem zweiten Entwurf aus dem Büro Hopp und Jäger. Erst deren dritter Plan war am Ende so "wasserdicht", dass am 13. Oktober 1957 endlich der Grundstein gelegt werden konnte.
Bei der Einweihung am 2. Advent 1958 konnte die Gemeinde einen Gebäudekomplex beziehen, der aus der Not eine Tugend machte. Statt parallel zu Antoniusstrasse ist das Kirchenschiff nun in Nord/Süd-Richtung orientiert. Das steile Dach ermöglicht die Einhaltung der Traufhöhe im umgebenden Wohngebiet und die Anpassung an das Geländeniveau ergab Platz einen geräumigen Unterbau, der neben weiteren Versammlungsräumen einen Gemeindesaal für fast 200 Personen beherbergt.
Das Innere der ansonsten weitgehend schmucklosen Matthäuskirche wird dominiert vom grossformatigen Mosaik des Künstlers Paul von der Forst an der Altarwand. Es thematisiert die in frühchristlicher Tradition wurzelnde Darstellung Christi als Pantokrator, als Allherscher und stellt den Weltenrichter auf dem Regenbogen mit dem Buch des Lebens dar.
Dass die Matthäusgemeinde sich bei aller nötigen Anpassung an die eng bebaute Umgebung keineswegs in Leisetreterei übt, demonstriert der stolze, 37 Meter hohe Kirchturm mit seinen drei Glocken. Auch sein Standort etwas abseits des Kirchenschiffs folgt strengen baurechtlichen Vorschriften. Aber wie "ein feste Burg" erhebt er sich über die engen Gassen - fast als wolle er sagen: "Hier stehe ich - ich kann nicht anders." | | | Literatur:
- Faltblatt "Die Matthäusgemeinde" mit Texten von Barbara Pankoke und Katrin Plümpe.
- Karl Hagemann: Münster - Stadt der Kirchen. Münster 1983, S. 130-131
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