Münstersches Orgelmagazin
Kirchen, Orgeln und Glocken in Münster
Altstadt - ev. Johanneskapelle

Johanneskapelle der ev. lutherischen Apostelkirchengemeinde Münster

Bergstr. 36-38
Homepage: http://www.apostelkirche-muenster.de/
Patrozinium: S. Johannes Baptista (Johannes der Täufer)
 

Der Heilige Johannes der Täufer

Der um 29 nach Christi Geburt gestorbene asketische Bußprediger gilt als größter und letzter Prophet des Alten Testaments. Als Sohn des jüdischen Priesters Zacharias und der Elisabeth wurde er in einem Vorort von Jerusalem geboren - ein halbes Jahr vor Jesus Christus, den er im Jordan taufte. Sein Tod (Enthauptung auf Wunsch der Salome) ist ein bedeutendes Thema in Kunst und Musik. Die ursprüngliche Grabeskirche in Smaria wurde in eine Moschee verwandelt, denn auch Moslems verehren Johannes als Prophet "Nabi Jahia". Sein Festtag ist der 24. Juni, zu dem in früheren Zeiten zu Johannisfeuern allerlei Brauchtum begangen wurde. In der Kunst wird er dargestellt als Täufer oder mit abgeschlagenem Haupt auf einer Schüssel. Er gilt nicht nur als Patron der Johanniter-Ritter, der Schornsteinfeger und der Kinobesitzer, sondern kurioserweise sowohl der Weinbergbesitzer wie der Abstinenzler.
 

Wachsbohnen statt Weihrauch - von der Wiedererweckung eines Dornröschens

Münster gilt nach wie vor als  "Stadt der Kirchen". Münster war aber auch eine Stadt der Klöster und der Kapellen. Eines der wenigen Kirchlein, die Zeitäufte und Bombenterror überlebt haben, ist die Kapelle der ehemaligen Johanniter-Kommende. Wer heute die Bergstraße in Richtung Stadttheater fährt, bemerkt zunächst nur zu rechter Hand die ehemalige Observantenkirche. Etwas zurückgesetzt liegt zu linker Hand auf der anderen Strassenseite eine unscheinbare Backsteinkirche mit bewegter Vergangenheit.

Im Jahre 1282 verlegten die in Steinfurt ansässigen Johanniterritter ihre Kommende nach Münster. Während der Amtszeit des Bischofs Ludwig von Hessen begannen sie 1311  mit dem Bau einer neuen Klosteranlage samt Kirche, die während der Münsterschen Stiftsfehde grossen Schaden erlitt. Kaum hatte man Ende des 15. Jahrhunderts 60 000 Backsteine für den Wiederaufbau verwandt, sorgten die Wiederträuferunruhen dafür, dass Kirche und Gottesdienst erneut in Verfall kamen.

Eine gewisse Stetigkeit trat erst ein, als 1614 die Observantenbrüder die Gebäude mieteten - mit dreimonatiger Kündigungsfirst. Sie begnügten sich bis 1698 mit den Gegebenheiten, als ihre neue grosse Kirche ein kleines Stück weiter südwestlich geweiht wurde. 1683 wurden Dach und Turm renoviert. Bei dieser Gelegenheit kamen wohl zwei Glocken und der polygonale Chorabschluss hinzu.
Wie alle münsterischen Klöster wurde auch die Johanniterkapelle 1811 säkularisiert. Und ähnlich wie die neue Observantenkirche, die als Theatermagazin genutzt wurde, diente die Kapelle sehr profanen Zwecken. Tabaklager, Gemüsekeller, Heuboden und schließlich ein Gewächshaus - wo einst fromme Mönche das Weihrauchfass schwangen, wurden Bohnen getrocknet.

Anders als die Klostergebäude überstand die Kapelle den Zweiten Weltkrieg ohne grössere Schäden.  Aus ihrem Dornröschenschlaf inmitten eines verwilderten Geländes weckten sie Mitglieder des CVJM, die eigentlich nur nach einem Platz für ihre Johannisfeier suchten und schon bald mit dem Entrümpeln begannen.  Am 1. Advent 1948 konnte der evangelische Pfarrer Walter Drobnitzky den ersten Gottesdienst nach fast eineinhalb Jahrhunderten feiern.

Die anfangs bescheidene Ausstattung wurde nach und nach ergänzt - unter anderem durch eine Kleinorgel. Die einzigen erhaltenen Ausstattungsstücke aus "Ritter"-Zeiten bilden die beiden prächtigen Sandstein-Epitaphe an der Nordwand für Maximilian Heinrich Freiherrn von Westrem (1683-1728) und Hermann Freiherr von Schade zu Blessenohl und Antfeld im Herzogtum Westfalen (1674-1748). Ein weiteres, hölzernes Epitaph hat die Zeiten ebensowenig überstanden wie die Glocken und der 1622 bei Gerhard Gröninger in Auftrag gegebene Hochaltar.

2002 konnte  eine umfassende Renovierung abschgelossen werden, als deren krönender Abschluss die neue Mühleisen-Orgel gilt. Die Stiftung einer Privatperson hatte die Anschaffung eines Instruments ermöglicht, das für eine Kapelle von 16 mal 7,5 Meter Innenmaß auf den ersten Blick etwas überdimensioniert erscheint. Die Intonationskunst ihrer elsässischen Erbauer sorgte aber dafür, dass ein durch und durch nobler Klang entstanden ist.

Die Kapelle wird von der ev. Apostelkirchengemeinde für Gottesdienste und Trauungen genutzt. Daneben "gastieren" dort die evangelische Studentengemeinde Münster und die Altkatholiken.

Seit 2004 finden mehrmals im Jahr am Sonntagmittag Orgelmatinéen mit Apostelkirchenkantor Klaus Vetter statt.
 

Literatur

  • Hartmut Dietz: Inschriften erzählen eine große Geschichte. Auf Roter Erde (Beilage der Westfälischen Nachrichten) Nr. 5 / 2003
  • Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen. 41. Band, 6. Teil: Die Kirchen und Kapellen der Stadt Münster außer dem Dom. Bearbeitet von Max Geisberg. Münster 1941, S. 258-263