Münstersches Orgelmagazin

Aktuelles aus der Orgelwelt 2008
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Dreifach ganz einfach

Münster - In einer von GEZ-Gebühren finanzierten Fernsehsendung durfte vor einiger Zeit ein junger islamischer Power-Prediger seine Intoleranz gegenüber dem Christentum darlegen. Kernargument: Die Vorstellung von der göttlichen Dreifaltigkeit sei rational nicht nachzuvollziehen. Abgesehen davon, daß die zugleich geäußerte Androhung, Nichtmuslime hätten die ewige Verdammnis in einem glühenden Pizzaofen zu gewärtigen, auch nicht gerade der Kritik durch die reine wie die praktische Vernunft standhält: Dem Manne kann geholfen werden! Was die Trinität betrifft: Man muß sie gar nicht verstehen. Man muß einfach nur dran glauben.

Einfach glauben? Muß man natürlich nicht - darf man aber. Wem ein unkritisch-affirmativer Akt als Annäherung an ein so tiefes Geheimnis nicht hinreicht, dem bietet sich die in allen Weltreligionen bewährte spirituelle Praxis der Meditation an. Zum Beispiel anhand von Musik. Olivier Messiaen hat 1969 mit neun großformatigen Betrachtungen zur Dreifaltigkeit sein spekulatives Spätwerk eröffnet. Die Interpretin der europäischen Uraufführung, Almut Rößler, bot etwa 70 hochkonzentriert lauschenden Hörern in Münsters Lambertikirche ihre Sichtweise dieses anspruchsvollen Opus dar.

Denn die bis zur Halskrause mit esoterisch elaboriertem Code aufgeladenen drei-mal-drei-gleich-neun Sätze stellen höchste Ansprüche an alle Beteiligten - wollte man die vielfältig verschachtelten Bedeutungsebenen von "kommunizierbarer Sprache", gregorianischen Zitaten, aquinatischen Anspielungen und ornit(he)ologischen Kommentaren zur Gänze durchschaubar machen.

Voraussetzung zum Durckblick wäre zunächst einmal das Durchhören. Was an Almut Rößlers Spiel auf Anhieb fasziniert, ist das stete Streben nach absoluter Deutlichkeit. Alle äußerlichen Aspekte, insbesondere die Klangfarben- und Tempowahl, stehen im Dienst präziser Darstellung der kompositorischen Absicht. Am besten lässt sich das vergleichen mit der sprachlichen Prägnanz ihres kleinen Einführungsvortrags. Exakt, allgemeinverständlich und ohne pseudowissenschaftlichen Jargon. Ihr praktischer Tipp: einfach hinhören.

Einfach hören? Das ist schneller gesagt als getan. Seit Erfindung des Tonfilms ist der durchschnittlich gebildete Mitteleuropäer durch akustisch-semiotische Verknüpfungen konditioniert wie Pawlows Köter. Schrille Dissonanzen: Gefahr im Verzug. Atonale Akkordverknüpfungen: Dauerdepression droht. Süßes Gesäusel: Paradies in Petto. (Debussy und Consorten tragen ein grüttelt Quantum Mitschuld daran.)

Am besten gelingt der Zugang, wenn man wirklich EINFACH hört. Allen Vor-Urteilen Hausverbot erteilt. Eine rein-weiße Leinwand schafft im Kopfkino. Meditation heißt ja auch: "frei sein von Gedanken." Gelingt diese voraussetzungslose Hingabe, dann geschieht etwas Unbeschreibliches. Deshalb bleibt an dieser Stelle nur noch eines: Einfach Schweigen. <© Michael Hochgartz>

26. September 2008, 20.00 Uhr: Almut Rößler >>> an der Schuke-Orgel >>> der Lambertikirche Münster

  • Olivier Messiaen: Méditations sur le Mystère de la Sainte Trinité

<30. September 2008>
 
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